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Aus der Geschichte Kiel-Gaardens



Wochenmarkt am Vinetaplatz (3) Gerhard Haase



Seit 1951 auf dem Wochenmarkt | Der Eiermann vom Vinetaplatz
Ein Marktbeschicker, der hier immer wieder - Jahr für Jahr - dienstags und sonnabends anzutreffen ist, hat schon locker sein persönliches 50. Marktjubiläum hinter sich.
Der über 80-jährige Gerhard Haase, der seit 60 Jahren - ganz von Boostedt aus dem Kreis Segeberg - nach Gaarden kommt um hier auf diesem Markt Eier zu verkaufen. Da fährt er nahezu 100 km hin und zurück.
Das erste Mal kam Gerhard Haase schon vor dem zweiten Weltkrieg nach Kiel. Damals hatte er mit seiner Mutter noch lebendes Geflügel und Eier auf dem Exerzierplatz verkauft.

Nach dem Krieg teilten sich Mutter, Schwester und Gerhard Haase das Geschäft: Die Schwester ging nach Elmschenhagen auf den Markt und Gerhard kam dann 1951 auf den Vinetaplatz. Ab jetzt sollte er jeden Dienstag und Samstag auf „seinem“ Platz an dem Markthaus stehen.
Es waren zuerst recht magere Jahre für den jungen Bauern Haase. Nicht nur mit der Maul- und Klauenseuche sollte er sich 1951 rumschlagen sondern es gab auch karge Ernten. Der Dünger war sehr teuer.

Also fuhr Gerhard Haase mit einem alten 180er Diesel vollbeladen mit mehr als 1.000 Eiern in Kartoffelkörben nach Gaarden. Die Eier wurden noch in Tüten verkauft.
Es ging mit dem Handel auf dem Wochenmarkt steil bergauf und ab 1957 fuhr Haase mit einem Hänger. Trotzdem musste die Schwester mit einem zweiten Pkw aus Boostedt kommen um Nachschub an den Haase-Stand zu bringen.
Jetzt verkaufte Gerhard Haase von Platten, die über Böcke gelegt wurden, fast 3.000 Eier. Als Haase 1970 schon über 4.000 Eier pro Markttag verkaufte und bei schlechtem Wetter alles nass wurde, kaufte er sich einen kleinen Verkaufswagen.
Jetzt war die Zeit vorbei, dem Marktmeister hinterher zu laufen um eine heile Verkaufs-Platte und seinen Stammplatz zu erhalten.
Aber es gab für den rührigen Eierhändler auch Konkurrenz. Zu Beginn der 1970er Jahre fuhren Verkaufsfahrer mit Oldenburger Landeier von Tür zu Tür. Das dauert aber nicht sehr lange und die Stammkundschaft kam schnell und leise zu Herrn Haase zurück. Sein Platz war immer direkt an dem Markthaus – das war jedermann bekannt. Als dann die Trödler mit all den Textilien und anderen Kleinwaren kamen, fing die Enge auf dem Vinetapaltz an ungemütlich und eher kundenfeindlich zu werden. Hinzu kamen noch die Störungen der begonnenen Sanierungsarbeiten mit dem lauten Abriss der schiefen Häuser und erst recht das knallende Rammen der neuen Pfahlgründungen. 1986 wurde der gesamte Vinetaplatz für den Wochenmarkt gesperrt um ganz neu angelegt zu werden.
Die Markthändler mussten sich in der Wikingerstraße einen neuen Platz „erkämpfen“. Es gab viel Ärger – auch mit den Kunden. Jetzt wurde es richtig eng und die ersten der Händler, die schon in den ersten Nachkriegsjahren auf dem Vinetaplatz einem regen soliden Handel nachgingen, verließen für immer den Gaardener Wochenmarkt. Seit dieser Zeit fehlt, zu einem bemerkenswerten großen Teil die Laufkundschaft. Auch diese Leute kamen nicht mehr wieder auf den Wochenmarkt.
Als der Vinetaplatz dann fertig gestellt war, da war auf einmal viel Platz für alle Händler vorhanden. Aber der Lauf der Kunden und deren Zusammensetzung hatte sich mit den Jahren immer mehr verändert. Der Platz der einmal für den Markt vorgesehen war, wurde im neuen Jahrtausend in die Elisabethstraße verlegt.
Nur Gerhard Haase war nicht zu erschüttern. Er hatte seine Stammkundschaft, die die große Qualität seiner Waren zu schätzen wusste, zu bedienen.
Der Hof von Herrn Haase und seinem Sohn in Bostedt hat für heutige Verhältnisse eine eher übersichtliche Anzahl von Legehennen, die artgerecht gehalten werden. Eine Bodenhaltung wäre zu kalt und die Hühner würden auch immer im eigenen Dreck laufen. Bei Freiland-Haltung laufen die Hühner Gefahr vom Habicht geholt zu werden.
Auf dem Haaseschen Hof befinden sich alle Hühner in einem gut belüfteten Stall und laufen auf Roste.
Um artgerecht zu scharren und sich wohl zu fühlen, kommen alle nach der Eiablage automatisch in den angebauten „Wintergarten“.
So bekam Gerhard Haase in einem landesweiten Wettbewerb vom Ministerium einen Preis für die beste Hennenhaltung. Mit seinen 2.500 bis max. 3.000 Hühnern ist Haase nicht abhängig von den Discountern sondern beliefert die Stammkunden in seiner Umgebung und fährt seit über 50 Jahren – immer noch- zum Gaardener Wochenmarkt auf den Vinetaplatz. Qualität verkauft sich - auch über die vielen Jahre hinweg - eben besser!

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